Pfridolin (www.pferdefluesterei.de): "Wir Pferde sind keine Sportgeräte, sondern Lebewesen mit einer Seele, mit Bedürfnissen und sozialen Strukturen. Wir zeigen es oft auch nicht, wenn wir Schmerzen haben. Wenn ich meinem Menschen (aus Versehen!) mal auf den Fuß trete, muss dieser immer gleich sterben. So sind wir nicht. Da muss man als Mensch auch mal sensibel sein und genau hingucken."

 

Solche und ähnliche Geschichten bekomme ich regelmäßig zu hören, und ich bin jedesmal aufs Neue entsetzt!

1. Warmblutstute, 10jährig, Springpferd

Zitat der Besitzerin: "Die erste Sedierung reichte nicht aus. Der Tierarzt musste mehrfach nachspritzen! Im Nachhinein wundert mich das aber nicht mehr. Ich hatte ja die ganze Zeit den Kopf meiner Stute auf der Schulter. Sie hat so stark aus dem Maul geblutet, dass ich mein T-Shirt wegwerfen musste, weil es über und über voller Blut war. Während der Behandlung roch es immer stärker nach verbranntem Fleisch, und als der Tierarzt am Ende das Maul meiner Stute mit Wasser spülte, zischte es laut!"

Der gesamte Verlauf der Behandlung schockiert mich noch heute, wenn ich daran erinnert werde! Was für ein schrecklicher Gedanke, welche Qualen das Pferd erleiden musste, Sedierung hin oder her. Selbst mit einer Vollnarkose hätte das Pferd im Anschluss unerträgliche Schmerzen im Maul gehabt! Und man bedenke: Eine "normale" Sedierung heißt nicht, dass ein Pferd keine Schmerzen verspürt! Es kann sich nur nicht mehr wehren!

 

 

2. Vor der Behandlung konnte er ganz normal fressen, seither lebt er von Heucobs

Eine Zuschauerin bei einer Behandlung in einem Stall bat mich um meine Meinung zu den Zähnen ihres Pferdes. 5 Wochen zuvor hatte ein Zahnbehandler den 20jährigen Wallach, der sein Leben lang regelmäßige Zahnkontrollen und Zahnbehandlungen bekommen hatte, untersucht. Die angeblich "fürchterlichen Probleme" wurden durch den Behandler unter Sedierung mit der Maschine bearbeitet.

"Als es zu sehr stank, habe ich den Behandler böse angeguckt, daraufhin hat er dann doch mal eine Pause gemacht!" (so die Besitzerin)

Seither kann der arme Kerl nichts mehr kauen! Alles fällt aus dem Maul heraus, Heuröllchen en masse sind an der Tagesordnung, und Haferkörner kommen hinten unverdaut wieder raus.

Da der Wallach panische Angst davor hat, von Fremden berührt zu werden, brauchte ich eine ganze Weile und viel Ruhe und Geduld, um überhaupt seinen Kopf berühren zu dürfen. Als ich endlich die Daumen in seine Mundwinkel schieben konnnte, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass zwischen den oberen und unteren ersten Backenzähnen genug Platz für meine Daumen-Fingerkuppe ist!

Ein angebotenes Leckerli schiebt er lange im Maul hin und her, bis er die Stelle gefunden hat, an der er es zerbeißen kann!

Mit den Wochen und Monaten fing er vorsichtig wieder an zu kauen. Der Behandler, auf die Problematik angesprochen, meinte nur, er müsse ja schließlich auch noch die Schneidezähne kürzen!

Die Besitzerin stimmte der erneuten Behandlung zu. (Da sie sich weigerte, die noch offene Rechnung der ersten Behandlung zu bezahlen, musste sie dem Behandler ja auch die Chance geben nachzubessern!)

Nach dieser zweiten Behandlung lehnte das Pferd es erneut lange Zeit ab, irgend etwas zu kauen. Nach einiger "Eingewöhnung" kaut das Pferd nun tageweise: Zwei, drei Tage lang frisst er fast normal, dann wieder lehnt er alles ab, was man kauen muss, und muss wieder mit eingeweichten Heucobs ernährt werden...

 

3. Kaltblutwallach, 2 1/2 Jahre alt

Da dieses Pferd nicht "vernünftig" fressen konnte, wurde ein Tierarzt zur Zahnbehandlung gerufen. Dieser sedierte das Pferd, um mit der Maschine unter anderem einen Haken am ersten Backenzahn zu kürzen. (Ca. 1 cm auf einem Milchzahn!) Da das Pferd weiterhin nicht fressen konnte, wurde ich auch hier nach meiner Meinung gefragt. Aufgrund des Alters des Pferdes kam es immer wieder zu den verständlichen Problemen beim Zahnwechsel: Wackelnde Milchzähne und festsitzende Milchzahnkappen (Milchzähne, die nicht ausgefallen sind, sondern "feststecken").

 

4. Ponyhengst, 19 Jahre alt

Die Besitzerin hatte eine Pferdezahn-Spezialistin bestellt. Nach der Untersuchung des Hengstes meinte die Spezialisitn, der Hengst müsse auf jeden Fall sediert werden, denn er hätte Katastrophen im Maul, die nur mit der Maschine bearbeitet werden könnten. Außerdem müssten die Schneidezähne um 3 cm (!) gekürzt werden. Und wenn das nicht auf der Stelle getan werde, würde der Hengst innerhalb der nächsten Wochen verhungern.
Die Besitzerin, eine langjährige und erfolgreiche Trainerin und Züchterin, "verzichtete" auf die Pferdezahnbehandlung und bestellte stattdessen mich. In zwei völlig entspannten "Sitzungen" (ohne Sedierung) kooperierte dieser extrem gut erzogene und liebenswerte Hengst. Die "Katastrophen" sind weg, und die Schneidezähne, an denen NICHTS auszusetzen war, sind genau so geblieben, wie sie bei meiner ersten Ankunft waren.
(Der Hengst ist ein Gangpferd und im Deckeinsatz. Wer seine Stute von dem wunderbaren Tier decken lassen möchte, kann über mich den Kontakt zur Züchterin herstellen.)

 

 

5. Warmblut-Wallach, 20 Jahre alt

"Ich habe ihn von klein an. Er war noch nie beim Zahnarzt, schließlich hatte er nie Probleme mit den Zähnen. Nur jetzt mag er neuerdings das Gebiss nicht mehr ins Maul nehmen, obwohl er es immer gerne angenommen hat. Also dachte ich, ich lasse mal die Zähne kontrollieren..."
Gut 2 cm lang (so lang, wie mein Daumen dick ist) war der Haken, der sich auf dem ersten oberen Backenzahn gebildet hatte! Die Spitze des Hakens stand kurz davor, gegenüber ins Zahnfleisch des Unterkiefers zu bohren...

 

6. Pferdebesitzer mit Problemen

6.1 "Vier Termine hatten wir mit dem Pferdezahnspezialisten, der schon einmal unsere Pferde behandelt hat. Und viermal hat er uns sitzen gelassen. Nun reicht es, deshalb haben wir Sie, Frau Biermann, angerufen."

 

6.2 "Wir hatten einen Sammeltermin vereinbart. Alle aus unserem Offenstall wollten die Zähne ihrer Pferde behandeln lassen. Der Termin stand schon fest. Dann hörte die Zahnspezialistin von der Örtlichkeit..." "WAAS? In einem Offenstall im Winter soll ich Pferde behandeln? Das ist ja eine Zumutung! Ich komme frühestens ab März!"

6.3 "Sedieren und mit Maschine und wer weiß wie schlimme Probleme". So sagte ein/e Behandler/in. Nur kam der Termin zunächst nicht zustanden, also wurde ich gerufen. "Es gibt nichts zu raspeln, in einem halben Jahr kontrollieren wir wieder!"??? (Ähnliches erlebe ich häufiger!)

 

6.4 "Der langweilige Duckmäuser"
Ein 4jähriger Hengst, ein Bild von Pferd. Auf der Körung durchweg super Noten! Charakterlich so einwandfrei, wie jeder "normale" Pferdebesitzer sich sein Pferd wünscht. Einfach ein TRAUM! Gekört wurde er nicht. "So einen langweiligen Duckmäuser wollen wir nicht in unserem Zuchtprogramm!" so der Zuchtleiter, der durch diesen Spruch SOFORT und handschriftlich ein Mitglied verlor...

Der Wechsel in einen anderen Zuchtverband wurde sofort mit Körung belohnt und Zulassung des Shaggya-Arabers für diverse andere Zuchtverbände. (Kontakt zur Besitzerin hinsichtlich Decktaxe etc. kann ich gerne herstellen!)

 

7. Damit die Stute nicht so viel frisst

"Ich bin sehr zufrieden mit meinem Pferde-Dentisten, denn der denkt mit! Ich habe eine Stute mit Hufrehe. Die ist eh schon zu dick und soll somit nicht so viel fressen. Mein Dentist hat die Zähne also nicht so gründlich gemacht, damit die Stute nicht so viel frisst/nicht so gut fressen kann!" (Zitat einer Besucherin der Equitana Open Air, 2010 in Neuss)
Man lässt also lieber die Stute Schmerzen beim Fressen haben, anstatt das Problem des Übergewichts auf anderem Wege zu lösen!

 

8. Seit 6 Wochen unreitbar wegen Wunden im Maul, aber "da müssen wir noch abwarten"

Ein 7jähriger Haflinger-Wallach hatte einen Wolfszahn, der (dem Alter des Pferdes entsprechend) schon sehr fest im Kiefer verankert war. Ein Tierarzt sedierte das Pferd, und der Zahn wurde herausgebohrt. 6 Wochen später sind die Wunden immer noch offen, und es zeigen sich immer wieder (bzw. immer mehr) Zahnstückchen, die aus dem Zahnfleisch heraus drängen. "Der wächst noch nach. Da müssen wir noch abwarten, bis er weit genug heraus ist, denn so kann ich den Zahn noch nicht ziehen", so der Behandler.
Und wie lange noch??? SOFORT sollte das Zahnfleisch geöffnet und die Splitter (denn um solche KANN es sich nur handeln) entfernt werden! Wolfszähne wachsen nicht nach (bzw. schieben nicht nach wie die übrigen Zähne im Pferdemaul mit Ausnahme der Hengstzähne)! Diese Splitter wandern aus dem Zahnfleisch heraus, können dabei aber zu bösen Entzündungen führen, was in der Folge den gesamten Schädel angreifen kann!

 

9. "Ich melde mich"

Bei einem Shetty-Hengst sind die Hengstzähne so lang, dass sie ins gegenüberliegende Zahnfleisch stechen.  Laut Behandler "... die Hengstzähne sind egal, die machen keine Probleme, aber das Pony hat ganz hinten ein Problem, wo ich mit der Maschine in dem kleinen Maul nicht dran komme. Da muss ich erst einmal Werkzeug basteln. Ich melde mich."
Was er dann nie getan hat!

 

10. "Der ist beim Zahnarzt ein Killer"

Ich dürfe gerne versuchen, ob ich ihn ohne Sedierung behandeln könne...
Er WAR ein Killer: Er tötete jeden Gedanken und jede Erinnerung an nicht kooperierende Pferde, indem er ruhiger stand und geduldiger die Pferdezahnbehandlung über sich ergehen ließ als die meisten anderen Pferde!

 

11. "Die kooperiert NIE im Leben beim Zähne-Machen!"

Eine 6jährige Stute, die bereits 5 Tierärzte "verschlissen" hat. Selbst zum Abhören mit Stethoskop braucht der Tierarzt eine gute Kondition, denn die Stute bleibt dabei nicht stehen. Bei der Zahnkorrektur stand sie wie angewurzelt...

 

12. "Der muss nicht zum Zahnarzt. Der hat das falsche Alter!"

Vom Tierarzt hatte diese Pferdebesitzerin gesagt bekommen, dass nur Pferde im Alter zwischen 8 und 14 Jahren Zahnkontrollen und/oder -Behandlungen bräuchten! (Die Begründung habe ich leider nicht erfahren, da auch die Besitzerin sie nicht kannte. Vielleicht, weil das die "aktiven" Jahre eines Reitpferdes wären???)

 

13. Spiegelglatt!

Vor 4 Monaten hat ein Zahn-Spezialist die Zähne dieses 24jährigen Wallachs gemacht. Mit der Maschine. Ein Meißelzahn (oder eine Welle?) wurde dabei eingeebnet. (Der Zahn gegenüber war abgebrochen, so dass ein Zahn in die Lücke hinein"gewachsen" war. (Anm.: Pferdezähne "wachsen" nicht "nach", sie schieben aus dem Kiefer heraus.)) SPIEGELGLATT sind die Zähne heute noch! Kein Wunder, dass das Pferd hin und wieder Heuröllchen verliert und sogar schon eine Schlundverstopfung hatte! Zähne funktionieren ähnlich wie ein Mühlstein: Nur wenn sie rau sind, können sie das Futter zermahlen! Sind sie spiegelglatt, fällt das Futter unzerkleinert einfach "am Rand wieder raus". Da der Spezialist die Zungenseite der Backenzähne des Unterkiefers und die Wangenseite der Backenzähne des Oberkiefers extrem abgeschliffen hat (auch diese "Zahnseite" ist "glatt wie ein Kinderpopo"), ist die Kaufläche reduziert. Das Pferd kann nicht gut kauen, Alter hin oder her.

 

14. Den Audi TT sieht man, die Zähne des Pferdes nicht

Ein 18Jähriger mit bösen Zahnproblemen! Die vorherige Besitzerin hatte sich nie um die Gesundheit des prächtigen Schimmels gekümmert. Aber Hauptsache, sie fährt ein flottes, schickes, teures Auto! Auch die Zähne des Pferdes wurden nie behandelt. Die jetzige Besitzerin war über den Zustand der Zähne genauso entsetzt wie ich! So, wie das schmerzen muss, ist das Pferd natürlich nicht zur Kooperation bereit. Da hilft nur Sedierung...

 

15. Panik-Attacken nach Klinik-Aufenthalt

Ein freundlicher kleiner Fuchwallach war wegen einer Beinverletzung in der Klinik gewesen. Seither hat er panische Angst vor Fremden, besonders, wenn diese "komische Instrumente" mit sich herumtragen. So wie ich in meinem grünen Behandlungs-Kittel und mit dem Eimer voller Raspeln. Der arme Kerl ergriff mehrfach die Flucht (und zog dabei der Besitzerin jedesmal den Strick durch die Hand, bis er mich zunächst einmal "mit leeren Händen" an sich heran ließ. Nach einer Viertelstunde des Schmusens und Kuschelns war er so weit zu akzeptieren, dass ich eine Raspel in die Hand nahm und ihm sogar in den Mund steckte. Das Raspeln begann. Und die Erkenntnis, dass ich erstens harmlos bin und ihm zweitens einen großen Gefallen tue, folgte auf dem Fuße... (Was mag ihm in der Klinik Schlimmes widerfahren sein?)

 

16. Mehrere Monate unreitbar und lahm

Eine Stute "im besten Alter" wurde von einem Spezialisten mit der Maschine behandelt. Auch die Schneidezähne wurden dabei massiv gekürzt. Was der Spezialist dabei nicht bedachte: Jede Änderung des Gleichgewichts im Pferdemaul wirkt sich auf den gesamten Körper aus! Die Schiefstellung im Maul hatte zu einem insgesamt sehr schiefen Pferd geführt.

Entweder (Variante a): Von jetzt auf gleich das Maul komplett "umzubauen" führte dazu, dass die gesamte Körper-Statik durcheinander geriet! Monatelang war das Pferd lahm und unreitbar, bis sich der Körper dem geänderten Gleichgewicht im Maul angepasst hatte!

 

Oder (Variante b): Durch zu langes Aufsperren des Maules eventuell in Verbindung mit dem Hochhängen des Kopfes vom sedierten Pferd sind diverse, massive Blockaden entstanden (z. B. im Kiefergelenk oder der Halswirbelsäule), an die das Pferd sich erst gewöhnen musste. Denn mit der Zeit können Pferde sehr viele Probleme kompensieren und "überspielen".

 

17. Seit Jahren erstmals behandelt, und dann traten die Probleme auf

Aus Erzählungen einer Kundin: Ein 16jähriger Wallach, der in keinem Fall zur Kooperation bereit ist, wurde nach jahrelanger Pause endlich mal wieder (unter Sedierung) mit der Maschine behandelt. NACH der Pferdezahnbehandlung kaute er nur noch unzureichend und unsymmetrisch, spuckte Heuröllchen aus und nahm rapide ab, bis er "wieder kauen konnte"...

 

18. "Mit Maulgatter überschlägt er sich!"

Aus Erzählungen einer Kundin: Mit der Maschine war dieser Wallach (jetzt 21) zuletzt vor ca. 4 Jahren behandelt worden. Sein Leben lang war er regelmäßig behandelt worden, allerdings immer sediert. Auch vor 4 Jahren sediert, hatte der "Spezialist" (Nachfolger des langjährigen Behandlers) das Pferd offenbar massiv im Maul verletzt, denn auch eine Stunde nach Behandlungsende (der Spezialist war längst auf dem Weg zu einem anderen Termin) blutete das Pferd immer noch! Die Besitzerin rief ihre Haus-Tierärztin zu Hilfe. Diese erneuerte die Sedierung, um das Pferd in Ruhe untersuchen zu können. Aber als sie das Maulgatter anlegte, stieg der Wallach immer wieder und überschlug sich mehrfach! Was bei der Pferdezahnbehandlung passiert bzw. schief gelaufen war, ließ sich an dem Tag nicht mehr feststellen und konnte nie geklärt werden!

 

19. "Leider war die letzte Behandlung mit Sedierung und Maschine..."

Die Stute war mehrfach von einem Dentisten behandelt worden, der ohne Sedierung auskam, was gut funktioniert hatte. Dann beauftragte die Besitzerin vor 1,5 Jahren jemand anderen mit der Zahnkontrolle und -korrektur. Der sedierte/ließ das Pferd sedieren und benutzte seine Maschine. Seither ist eine Behandlung ohne Sedierung fast unmöglich! (Was für Qualen muss auch diese Stute ertragen haben unter Sedierung? Auch hier wieder der Hinweis: Pure Sedierung (ohne bei Bedarf Schmerzmittel zuzufügen) heißt nicht, dass dem Pferd nichts weh tut oder unangenehm ist. Sie heißt, dass das Pferd sich nicht dagegen wehren kann!)

 

20. "Jutta, Du machst nicht zufällig auch Hufe?"

Der "Kleine" ist ein Shetty-Wallach, der jedesmal sediert werden muss, wenn der Hufschmied kommt. Zähne Machen findet er toll! Das lässt er völlig entspannt über sich ergehen!

 

21. Als ich ihn erstmals behandelte, kooperierte er. Beim zweiten Mal zog er alle Register, sich zu wehren!

Im Oktober hatte ich den jungen Wallach kennen gelernt. Zahnbehandlung fand er nicht so toll, aber ich konnte ihn zur Kooperation bewegen. Im April wollten wir seine recht schlechten Zähne weiter behandeln. Keine Chance! Er tat alles, was ihm einfiel, um sich gegen die Zahnbehandlung gründlichst zu wehren! Selbst eine Tube "Beruhigungsmittel" ließ ihn nicht so weit entspannen, dass ich ihn hätte behandeln können, obwohl das Mittel wirkte, denn sobald ich die Raspel von seinem Maul entfernte, entspannte er und schlief fast ein!

Sollte ich ihn beim ersten Mail wirklich so gequält haben, dass er Zahnbehandlungen nicht mehr akzeptiert?

Nein! Irgenwann, als ich schon aufgeben wollte, fiel es der Besitzerin wie Schuppen aus den Augen: Im Februar wurde bei ihm eine Bronchioskopie durchgeführt. ("Mit einer Mini-Kamera in die Lunge schauen"). Auch dabei war er sediert, was nicht reichte, denn zusätzlich brauchte er auch noch eine Nasenbremse! Wie sehr muss er dabei gelitten haben, ohne sich wehren zu können? Insbesondere, da die Nasenbremse sehr lange eingesetzt wurde! Denn als der Groschen erst einmal gefallen war, war der Besitzerin auch klar, warum (seit der Bronchioskopie!) das Auftrensen plötzlich oftmals zu schwersten "Kämpfen" führt!

 

22. Aber auch so etwas kommt vor:

Äußerliche Untersuchung und auch das Anlegen und Öffnen des Maulgatters waren problemlos möglich. Nur meine Hand in seinem Maul akzeptierte der Wallach NUR auf der linken Kopfseite! Sobald meine Hand im Maul zur rechten Seite wechseln wollte, "explodierte" das Pferd! Kein Drankommen! Links durfte ich jeden Zahn betasten, drücken, packen, kratzen. Rechts: nichts! Keine Chance!

Ich habe gar nicht erst versucht zu raspeln, sondern der Besitzerin geraten, das Pferd sedieren und röntgen zu lassen. Eine Tierärztin kam einige Tage später und sedierte.

Sobald sie die Hand ins Maul steckte, "explodierte" das sedierte Pferd! Weiterhin, trotz Sedierung, keine Chance, die Zähne von Hand abzutasten oder Ähnliches. Da die Tierärztin unter Sedierung einen heftigen Haken auf dem letzten Backenzahn RECHTS sehen konnte, setzte sie mit der Maschine an: Super brav ertrug der Wallach die maschinelle Behandlung.

Ob er wohl meinte: "Steck Deine Hand da nicht rein, da geht sie kaputt"?

Ich bin jedenfalls froh, dass es NUR ein böser Haken war! Hauptsache, dem Pferd wurde geholfen, auch wenn ich ihm nicht selber helfen konnte!

 

23. Er war immer super gut zu reiten, hat alles gefressen! Wer ahnt denn so was?

Ein Familienpferd, von Fohlen an im Besitz der Familie, einfach ein feiner Kerl. Immer leicht zu reiten, und regelmäßig einmal pro Jahr in Zahnbehandlung. Vor Jahren musste mal ein Backenzahn gezogen werden. Laut Behandler "ist er komplett entfernt" worden.

Bei meiner Untersuchung kam mir die Zahnlücke extrem komisch vor, auch ließ der Wallach mich die Kopfseite nicht untersuchen, wo die Zahnlücke ist. Auf der anderen Kopfseite durfte ich drücken, ziehen, kratzen etc.

Da blieb mir nur die Empfehlung, einen Tierarzt zu rufen, der unter Sedierung gründlich untersuchen und bei Bedarf röntgen kann.

Ergebis: Es steckten noch große Zahnreste in der "Lücke", die heraus eitern wollten. Eine dicke Entzündung im Kiefer! Es folgte eine ziemlich große Operation, um die Bruchstücke aus dem Kiefer zu entfernen.

 

24. Halbgötter in Weiß - Teil 1

Auf einem Spaziergang im Urlaub passierte folgendes (leider war kein Fotoapparat zur Hand, also wurde mittels Handy fotografiert): Ein älteres Pferd auf einer Weide kann sein Maul überhaupt nicht schließen, weil die Schneidezähne im Unterkiefer so "lang und schief" waren. Die Besitzerin des Tiers erklärte, das seien "Zementzähne". Ihr Tierarzt kenne das Pferd, und selbst der Amtstierarzt sei schon mal da gewesen, weil Spaziergänger ihn alarmiert hätten.

Zementzähne gibt es nicht! Das ist einer der heftigsten Fälle von EOTRH, die mir je begegnet sind! 

 

25. "Also schön sind die Schneidezähne ja nicht!"

Seit vielen Jahren hat die Besitzerin für ihre jetzt 24jährige Stute einen "Zahnspezialisten" einmal jährlich bestellt. Vor einem Jahr sagte er (so die Besitzerin): "Also schön sind die Schneidezähne ja nicht, und dieser hier wackelt auch schon."

Als ich die Stute kennen lernte, fiel mir schon von Weitem der Gestank auf, der aus ihrem Mund kam. Ich hob die Lippen an und unterdrückte nur mit Mühe einen Entsetzensschrei: Einen so heftigen Fall von EOTRH bekomme ich nur selten zu sehen! Matschige, stinkende, eitrige, faule Schneidezähne, krumm und schief, einer fehlte bereits. Schon am nächsten Tag kam ich mit einer Kollegin erneut zu der Stute, und wir haben die Schneidezähne entfernt. Sie waren schon so weit zerstört, dass man kaum von "Zähne-Ziehen" reden konnte.

 

26. "Das ist bloß Parodontose"

Im Februar war ein Dentist im Stall, um mehreren Pferden die Zähne zu behandeln. Auch einem 23Jährigen, dessen Behandlung aber gar nicht erst begonnen wurde, da der Dentist nach einem Blick auf die Schneidezähne sofort jede Behandlung ablehnte.

"Der hat Parodontose. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt für 3 Wochen Antibiotika verschreiben und füttern Sie dieses Pulver hier." (Der Tierarzt weigerte sich übrigens, er verschrieb nur für höchstens zwei Wochen Antibiotika!)

Die Besitzerin fand das Aussehen der Schneidezähne damals schon so schlecht, dass sie im Web suchte, wie Parodontose beim Pferd aussieht: Völlig anders!

Wie so oft im Leben vergingen mehrere Monate viel zu schnell. Im August lernte ich die beiden dann kennen. Auch ich warf erst einmal einen Blick "unter die Lippen", und mich traf der Schlag! Oben fehlten bereits drei der sechs Schneidezähne. Unten fehlte zwar erst einer, aber ein zweiter saß so schief, dass er quer vor seinem Nachbarn lag. Dieser Zahn wackelte und war dabei so schmerzhaft, dass ich ihn nicht berühren durfte, ohne dass das Pferd weg zuckte! Der arme Wallach konnte kein Leckerli aus der Hand fressen, weil der wackelnde Zahn dabei so schmerzte!

EOTRH!

Wenige Tage später wurden alle verbliebenen Schneidezähne gezogen, das Pferd frisst wieder wie ein Scheunendrescher!

Übrigens sah der Wallach trotz solch heftiger Schmerzen sehr gut aus! "Von außen" hätte man nie gedacht, dass er Zahnprobleme haben könnte...

 

27. Da hätte auch eine Pferdezahnbehandlung nicht mehr helfen können

Ein eigenes Fohlen, für viele Pferdebesitzer ein Traum. Als Züchter steht man dann immer vor der Entscheidung: "Wem verkaufe ich meine Nachzucht?" Eine Kundin hatte eines ihrer Jungpferde verkauft. Als sie ihn wieder sah, war er nur noch Haut und Knochen! Völlig abgemagert holte sie ihn zurück nach Hause, rief mich an, ich müsste so schnell wie möglich kommen und nach den Zähnen sehen. Mit einem ausgebuchten Terminplan blieb nur noch "nächsten Sonntag". Doch zu meinem Besuch kam es nicht mehr :-( Mittwoch Abend die erste SMS: "Wir haben ihn in eine Tierklinik gebracht, nachdem er erneut zusammengebrochen ist!" Donnerstag Morgen dann die traurige Nachricht: Der junge Wallach hat es nicht geschaft :-(

Manchmal wünsche ich mir, dass es in Deutschland wieder "schlimmere" Strafen gibt als Geldstrafen oder Gefängnis! Aber es war ja eh "nur" Tierquälerei - "nur" Sachbeschädigung...

 

28. Halbgötter in Weiß - Teil 2

Ein Tierarzt aus der Gegend, wir kennen uns schon viele Jahre, hatten aber nie was mit Zähnen zu tun, wenn wir uns zufällig trafen. Bei einer meiner Pferdezahnbehandlungen hat ein Pferd in der Nachbarbox sehr freundlich und sehr neugierig über die Boxenwand gesehen und mich mehrfach anstupst. Soweit alles gut. Bis die Boxennachbarin flehmte! Dieser kurze Blick aufs Zahnfleisch ließ bei mir die Alarmglocken läuten: Dringender Verdacht auf EOTRH!

Besagter Tierarzt war auch gerade da, so sprach ich ihn darauf an (er ist wohl angeblich der behandelnde Tierarzt der Boxennachbarin):

[Gedächtnisprotokoll] "Was? EOTRH? So ein Quatsch! Die Krankheit hat es früher schon gegeben, und da hat auch keiner was dran gemacht! Jetzt ist das bloß eine Modekrankheit, die jetzt plötzlich jedes zweite Pferd hat! Und was willst Du dann machen? Röntgen und alle Zähne ziehen, bis die Zunge raus hängt? Oder vielleicht noch einen oder zwei Zähne stehen lassen??? Blödsinn! Wenn es gar nicht mehr geht, kann man immer noch was unternehmen!"

Ja sicher: Lass das Pferd doch unter unerträglichen Schmerzen leiden und die Zähne den Kieferknochen durch Fehlwucherungen sprengen oder raus-eitern!!! Und selbst das wird von VIELEN Pferdebesitzern UND Tierärzten gar nicht erkannt!

 

29. Halbgötter in Weiß - Teil 3

Eine Tierärztin, die selber, nach eigenen Angaben, auch "ganz nett Zähne macht". Ich habe sie gefragt, ob sie für mich sedieren und vermutlich auch röntgen würde.

TA: "Warum denn röntgen?"
Jutta: "Weil das Pferd explodiert, wenn ich in sein Maul fasse, und er hat katastrophale Zähne!"
TA: "Stinkt er aus dem Maul?"
Jutta: "Nein!"
TA: "Wenn er nicht aus dem Maul stinkt, dann braucht er auch nicht geröngt zu werden, denn dann hat er keine Zähne, die gezogen werden müssen!"

 

30. Jutta hatte Unrecht

Eine "zweite Meinung " ist immer äußerst undankbar! Die Besitzerin des 20jährigen Wallachs erzählte:

"Vor 10 Tagen war 'Zahnbehandlungs-Mensch Nummer 1' im Stall und hat mein Pferd untersucht. Er/sie sagte, die Backenzähne (und somit das Pferd) wären noch in Ordnung und müssten erst in einem halben Jahr behandelt werden."

Die Besitzerin bat mich (Zahnbehandlungs-Mensch Nummer 2), mir eine Meinung von den Zähnen des Pferdes zu bilden.

Ich begann meine Untersuchung an den Schneidezähnen, von denen vor einigen Jahren mal einer hatte gezogen werden müssen. (Eigentlich haben Pferde 12 Schneidezähne, somit waren nur noch 11 vorhanden.)

Der Zustand der Schneidezähne gefiel mir so schlecht, dass ich der Kundin riet, diese röntgen zu lassen. "Ich habe zwar keine Röntgenaugen, aber ich denke, dass mindestens 4 Schneidezähne gezogen werden müssen!" (Dass die Backenzähne erst in einem halben Jahr behandelt werden müssten, empfand ich ebenfalls als nicht zutreffend, da aber die Schneidezähne ein massives Problem aufwiesen in meinen Augen, rückten die Backenzähne in den Hintergrund.)

Nun vollends verwirrt, bestellte die Kundin ihre/n "Haustierarzt/Haustierärztin" (Zahnbehandlungs-Mensch Nummer 3). Der/die besah die Zähne und konstatierte: " Na ja, einer (!) ist entzündet und muss VIELLEICHT gezogen werden..."

Drei Behandler, drei völlig unterschiedliche Prognosen?!

Die Kundin vereinbarte einen Termin in einer Pferde-Klinik.

Fazit: Ich lag FALSCH!

Es wurden nicht "meine" 4 Schneidezähne gezogen, sondern ALLE 11! (Und ein Backenzahn!)

 

31. "Ich habe mir eine eigene Raspel gekauft!"

Eine Kundin ist vor etwa 4 Jahren mit ihren zwei Pferden etwas weiter weg gezogen. Damals hatte ich noch keine Tour in ihre Richtung. Nun fiel der Kundin auf meiner Homepage auf, dass ich inzwischen häufiger in ihre "neue" Gegend fahre, und sie bat mich, so bald wie möglich zu ihr zu kommen. Als ich ankam, zeigte sie mir den Maulkeil und die Handraspel, die sie in der Zwischenzeit gekauft hatte! "Ich hatte in den letzten 4 Jahren zwei verschiedene Zahnbehandler hier. Beide waren eine KATRASTROPHE! Also habe ich mir einen eigenen Maulkeil und eine Handraspel gekauft und sah mich schon selber die Zähne meiner Pferde raspeln! Was bin ich froh, dass Du nun doch hier her kommst, Jutta!!!"

 

32. Einer kann fressen, eine nicht

Die Besitzerin der zwei Pferde hatte vor wenigen Tagen einen Behandler für die Zähne ihrer Pferde da. Der Wallach hat die Zahnbehandlung (unter Sedierung) bestens vertragen, die Stute frisst seither katastrophal schlecht.

"Beide Pferde waren beim Zahnarzt, sind sediert worden, weil der eine ziemlich scheu und ängstlich ist; bei dem ist auch alles gut gegangen. Bei der Stute leider nicht, sie macht jetzt extreme Heubällchen! Der Zahnarzt meint nur, dann müsste er halt noch mehr weg machen! Ich habe Sorge, dass sie dann gar nicht mehr fressen kann; das Vertrauen ist weg."

 

33. "Wie jetzt, der darf schon Leckerlis fressen?"

Wie fast immer, habe ich ein Pferd behandeln können, ohne dass ein Tierarzt hätte sedieren müssen. Und wie immer, wenn ich eine Behandlung abschließe an einem unsedierten Pferd, gab es im Anschluss etwas Leckeres als Belohnung, z. B. eine Möhre.

Eine Boxennachbarin sah das und fragte ganz entsetzt: "Wie jetzt, der darf schon Möhren fressen???"

Ich wies sie darauf hin, dass das Pferd nicht sediert worden und somit völlig wach war sofort nach Ende der Zahnbehandlung.

Daraufhin sie: "Dass er nicht sediert war, habe ich durchaus gesehen! Aber wenn mein Behandler Zähne gemacht hat, darf mein Pferd zwei Wochen lang nur Heu und Stroh fressen, sonst nichts!"

Waaas? Pferde sind Gewohnheitsfresser! Sie fressen immer das Gleiche, und müssen langsam und vorsichtig an "neues Futter" gewöhnt werden! Zwei Wochen langweder Kraftfutter, noch Möhren, Äpfel, Leckerlis oder Sonstiges gefressen zu haben, heißt, sie wieder daran gewöhnen zu müssen!

Leider kannte diese Pferdebesitzerin nicht den Grund des Behandlers, warum ein Pferd (oder nur ihr Pferd?) nach einer Zahnbehandlung zunächst nichts anderes fressen darf als Heu und Stroh...