Einordnung
„Die kommen da hinten doch gar nicht dran!“
Ein Lieblings-Argument der „Maschine-und-Sedierung“-Nutzer lautet:
„Ganz da hinten kommt man ohne Sedierung gar nicht dran!“
Das stimmt nicht!
Natürlich brauche auch ich manchmal die sedierende Hilfe eines Tierarztes, um ein Pferd behandeln zu können, das (weit hinten oder auch weiter vorne) richtig böse Zahnprobleme hat! Aber dass man nur unter Sedierung korrekte Arbeit leisten kann, ist auf jeden Fall falsch.
Das ist, wie immer im Leben, eine Frage, wie gut ein Behandler mit seinen Geräten umzugehen versteht, wie viel Erfahrung er bei der Beseitigung spezieller Probleme hat und ob das Pferd unsediert kooperiert!
Praxisbeispiele
Fall 1
Gerne stelle ich den Kontakt her zu einer Kundin, deren Pferd maschinell behandelt worden war, und daraufhin Probleme beim Fressen entwickelte. Ich untersuchte das Pferd und stellte fest, dass an den beiden letzten oberen Backenzähnen scharfe Kanten stehen gelassen worden waren. Da das brave Pferd mich problemlos arbeiten ließ, habe ich auf Anhieb die Kanten entfernen können. (Eine unbeteiligte Zuschauerin durfte vorher und nachher selber ins Maul fassen und fühlen.) Das Pferd kooperierte sehr gut und brauchte keine Sedierung! Seither frisst das Pferd unauffällig und problemlos!
Fall 2
Eine damals 19jährige Fjord-Stute, die eine Kundin drei Wochen vor meinem Besuch für 300 EUR als Beistellpony erworben hatte. Die Verkäuferin der Stute hatte versichert, das Pferd habe eine jährliche Zahnbehandlung erfahren, und die letzte Zahnkorrektur sei höchstens ein Jahr her. Da das Pony so schlecht fraß, untersuchte ich es. Die Zähne waren durchaus schön rund geraspelt. Nur leider nicht die letzten unteren Backenzähne (die unteren 11er)! Diese hatte der Behandler mit seiner Maschine offenbar nicht mehr erreicht und jahrelang länger werden lassen, so dass beide unteren 11er auf ganzer Länge etwa 15 bis 20 mm über das Niveau der übrigen Backenzähne hinaus ragten. Aufgrund der Problematik und der Enge im Maul bat ich eine Tierärztin, das Pferd für mich zu sedieren, und kürzte die so genannten Meißelzähne.
Fall 3
Ein 15 Jahre alter Shetty-Hengst, der nachweislich 8 Monate vor meiner Untersuchung mit Maschine unter Sedierung behandelt worden war und seither immer weiter abbaute. Kein Wunder, war bei der damaligen Behandlung doch völlig unzureichend gearbeitet worden. Meißelzähne, übermäßige Quergrate und rasiermesserscharfe Kanten auf den Zähnen entstehen nicht innerhalb von 8 Monaten in teils mehreren Zentimetern Länge! Kaum von mir (unsediert, aber natürlich mit Maulgatter) behandelt, fraß der tapfere kleine Kerl wieder munter und mit „Gusto“!
Fall 4
Ich hatte mir einen Finger angebrochen und musste deshalb alle Termine verschieben mit dem Hinweis, „Bei wem es dringend ist, der muss halt jemand anderen bestellen für die Zahnbehandlung“.
Nachdem ich wieder voll einsatzbereit war, fuhr ich zu einem Termin in einem meiner langjährigen, treuen Ställe. Dort hatte man für ein Pferd, bei dem es dringend war, eine/n andere/n Behandler/in bestellt. Die Person war etwa 10 Tage vor meinem Kontrolltermin da gewesen und hatte die Zähne behandelt.
Ein Griff ins Maul und mir war klar, dass das Pferd auf der rechten Hand unreitbar sei. „Ja, stimmt“, sagte die Besitzerin. „Und seit der Zahnbehandlung vor 10 Tagen noch viel schlimmer?“ Auch dies bestätigte die Besitzerin.
Was war passiert? Die behandelnde Person hatte nicht bemerkt, dass das Pferd die Zahnraspel während der Behandlung weg gedrückt hatte, so dass der letzte untere Backenzahn noch viel schlimmer/schärfer wurde durch das Raspeln als vorher.
So etwas kann schon mal passieren, aber dann fühlt man nach, stellt fest, dass noch etwas zu korrigieren ist, und arbeitet weiter. Der/die Behandler/in hatte nicht nachgefühlt und die Zähne somit in schlimmerem Zustand hinterlassen als sie vor der Behandlung gewesen waren.
Ich ließ die Besitzerin das „Problem“ fühlen, bevor und nachdem ich es behandelte. Sie kann jederzeit bestätigen, dass ich solche Probleme unsediert beheben kann.