Einordnung

EOTRH – Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis


EOTRH ist eine Erkrankung der Zähne beim Pferd, die überwiegend die Schneidezähne betrifft, in seltenen Fällen jedoch auch Hengstzähne und sogar Backenzähne einbeziehen kann.

Der Begriff „EOTRH“ ist noch vergleichsweise jung und wurde erst Anfang des 21. Jahrhunderts wissenschaftlich geprägt (u. a. durch die Tierärztliche Hochschule Hannover).
Die Erkrankung selbst ist jedoch keineswegs neu und wurde bereits deutlich früher beschrieben.

 

Typische Anzeichen

Hinweise auf EOTRH können sein:

- Schmerzen oder Probleme beim Abbeißen harter Futtermittel (z. B. Möhren, Äpfel, Brot)
- starke Zahnsteinbildung
- auffällige Veränderungen des Zahnfleisches (Rötung, Schwellung, Rückgang, Eiterherde)
- unangenehmer Maulgeruch
- Fressunlust oder langsames Fressen
- locker werdende, schief stehende oder abbrechende Schneidezähne
- sichtbare Veränderungen im Bereich der Zahnwurzeln
- Futter wird im Maul gesammelt oder „gestopft“, insbesondere unter den Lippen
- vermehrt sichtbare Zahnsubstanz („zu viel Zahn sichtbar“)

 

Veränderungen an den Zähnen

Bei EOTRH kommt es zu einem krankhaften Umbauprozess der Zähne:

- Abbau von Zahnsubstanz (Resorption)
- gleichzeitig teilweise vermehrte Zementanlagerung (Hyperzementose)

Diese Prozesse betreffen insbesondere die Zahnwurzeln und führen häufig zu Schmerzen und Entzündungen.

Die genaue Ursache der Erkrankung ist bislang nicht abschließend geklärt.

 

Diagnose

Eine sichere Diagnose ist in der Regel nur mittels Röntgen möglich.
Bei Verdacht sollte daher immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden.

 

Verlaufsformen

EOTRH kann unterschiedlich verlaufen:

Chronische Form:

- langsam fortschreitend
- häufig Verdickungen im Bereich der Zahnwurzeln
- nicht immer sofort schmerzhaft, kann aber Strukturen zerstören

Akute Form:

- deutliche Entzündungen
- Eiterkanäle, stark verändertes Zahnfleisch
- oft mit erheblichen Schmerzen verbunden

 

Prognose

EOTRH ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft eine fortschreitende Erkrankung.
Ein vollständiges Aufhalten des Krankheitsprozesses ist derzeit nicht möglich; in einzelnen Fällen kann das Fortschreiten jedoch verlangsamt werden.

In der Praxis zeigt sich häufig, dass im Verlauf der Erkrankung nach und nach mehrere oder alle Schneidezähne betroffen sind. Aus diesem Grund wird in vielen Fällen früher oder später die Entfernung der betroffenen Zähne notwendig, um Schmerzen zu vermeiden und die Lebensqualität des Pferdes zu erhalten.

 

Behandlung

Eine vollständige Heilung ist nach aktuellem Stand nicht möglich.

In vielen Fällen ist die Entfernung betroffener Zähne notwendig, um Schmerzen zu beseitigen und die Lebensqualität des Pferdes zu verbessern.

 

Hinweise für betroffene Pferde

Pferde mit EOTRH sollten möglichst schmerzfrei fressen und trinken können.

Insbesondere kann es sinnvoll sein, Wasser in offenen Behältern anzubieten, da das Betätigen von Selbsttränken Schmerzen verursachen kann.

 

Empfehlung

Bei ersten Auffälligkeiten im Bereich der Schneidezähne sollte frühzeitig eine fachkundige Abklärung erfolgen.

Eine frühzeitige Diagnose hilft, geeignete Maßnahmen individuell zu planen und unnötige Schmerzen zu vermeiden.

 

Vergleiche zu anderen Tierarten

Von einer Kundin wurde ich auf eine vergleichbare Krankheit bei Katzen aufmerksam gemacht: FORL. Auch hier sind Ursachen und Auslöser (bisher) noch nicht bekannt. (Quelle: Wikipedia), ebensowenig gibt es Medikamente oder Behandlungsmöglichkeiten außerhalb der Zahnextraktion. Ganz aktuell wurde mir erzählt, dass auch Hunde an einer derartigen Veränderung an den Zähnen leiden können.